Drawing Together: Wie gemeinsames Zeichnen dein Team zusammenschweisst

von Sonja Rogenmoser

 

Hast du schonmal gemeinsam mit deinem Team gezeichnet?

Viele Menschen können sich nicht einmal mehr daran erinnern, wann sie zuletzt Papier und Stift in der Hand hatten, um etwas zu zeichnen. Dabei hat das Zeichnen, ob allein oder in der Gruppe, viele positive Effekte. Gerade für Teams eignen sich Zeichenübungen hervorragend, um die Gruppe zusammenzuschweissen und bestimmte Themen mit anderen zu teilen, ohne dafür Worte verwenden zu müssen.

In diesem Blogartikel erfährst du, weshalb du die Übung Drawing Together unbedingt mit deinem Team ausprobieren solltest. Ausserdem verrate ich dir, wie Drawing Together funktioniert und welche wichtigen Punkte zu beachten sind, damit die Übung ein voller Erfolg wird.

Was ist Drawing Together?

Drawing Together ist eine Übung aus dem Methodenkoffer der Liberating Structures (deutsch: befreiende Strukturen), der von Keith McCandless und Henri Lipmanowicz zusammengestellt wurde. Dabei geht es im Kern darum, das Vertrauen und den Umgang im Team mithilfe moderner Methoden zu verbessern.

Warum du diese Übung mit deinem Team ausprobieren solltest

Drawing Together ist vor allem deshalb so besonders, weil es bei der Übung vorwiegend um nonverbale Kommunikation geht. Hierbei werden durch gemeinsames Zeichnen verborgene Gefühle, Einstellungen und Muster, die schwierig mit Worten auszudrücken sind, zugänglich gemacht.

Das ist jedoch bei Weitem nicht alles.

Drawing Together

  • hilft dabei, neue Ideen zu finden, wenn scheinbar alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

  • bietet Personen, die von Natur aus eher schüchtern und zurückhaltend sind, eine neue Möglichkeit, sich auszudrücken und ihre Ideen mit dem Team zu teilen.

  • schafft engere Verbindungen zwischen Gruppenmitglieder.

  • unterstützt Denkprozesse, da der kognitiv anstrengende Teil des sprachlichen Formulierens mithilfe des Zeichnens ausgelagert wird.

So funktioniert Drawing Together

Bei Drawing Together geht es im Kern darum, mit Hilfe fünf einfach zu zeichnender Symbole Geschichten über Transformationen zu erzählen. Die Übung dauert 40 Minuten und setzt sich aus den folgenden drei Schritten zusammen:

1. Schritt: Die Einladung

Lade alle Teilnehmenden dazu ein, eine Geschichte zu einer persönlichen oder allgemeinen Herausforderung zu erzählen. Hierbei dürfen sie jedoch nur fünf vorgegebene Symbole verwenden und keine Wörter benutzen.

2. Schritt: Benötigte Materialien

Für die Übung kannst du gemeinsam mit deinem Team entweder eine Wand mit Packpapier behängen oder ein Flipchart verwenden. Falls ihr für das Zeichnen der Symbole verschiedene Farben nutzen möchtet, empfehle ich wasserbasierte Stifte oder Wachskreide.

3. Schritt: Ablauf und Dauer

Zu Beginn der Übung sollte der Übungsleiter kurz die fünf Symbole vorstellen, die beim Zeichnen verwendet werden dürfen, und ihre Bedeutung zu erklären:

  • Kreis = Ganzheit

  • Rechteck = Unterstützung

  • Dreieck = Ziel

  • Spirale = Veränderung

  • Sternenmensch (gleichseitiges Kreuz) = Beziehung

Anschliessend haben die Teilnehmenden fünf Minuten Zeit, um das Zeichnen der Symbole zu üben.

Nach der Übungszeit geht es an die Erstellung des ersten Entwurfs ihrer Geschichte über die «Reise» ihrer Herausforderung oder Innovation (10 Minuten). Hierfür können (und sollten) die Teilnehmenden die verschiedenen Symbole miteinander kombinieren. Dabei arbeitet jeder für sich.

Lade die Teilnehmenden im Anschluss dazu ein, eine zweite Version ihrer Geschichte zu erstellen und besonderen Fokus auf die Grösse, Platzierung und Farbe der Symbole zu legen. (10 Minuten)

Nachdem die zweite Version erstellt wurde, finden sich die Teilnehmenden in kleinen Gruppen (mit 1 – 4 anderen Personen) zusammen, um ihre Zeichnungen gegenseitig zu interpretieren. Dabei sollte die Person, die die jeweilige Zeichnung angefertigt hat, sich nicht mit einbringen, sondern nur zuhören.

Frage die Gruppe abschliessend, welche Themen, Herausforderungen und Ideen durch die Gesamtheit der Zeichnungen aufgedeckt wurden. (5 Minuten)

Wichtige Hinweise und typische Stolperfallen

  • Erinnere die Teilnehmenden vor der Übung (und auch währenddessen) daran, dass es bei Drawing Together weder um Zeichenkünste noch um Perfektion geht. Im Gegenteil: Kindliche Zeichnungen sehen spielerischer aus und regen die Fantasie mehr an.

  • Unterstütze die Gruppenmitglieder nicht zu viel beim Zeichnen.

  • Zeichne zu Beginn am besten ein Beispielbild mit Hilfe einer kurzen Geschichte, damit die Teilnehmenden die Methode besser verstehen können.

  • Behalte bei dieser Übung im Hinterkopf, dass Zeichnen einen starken therapeutischen Charakter haben kann. Sei deshalb auf emotionale Momente vorbereitet.